HISTORIE

Im Jahre 1919 gründeten auf Initiative von Frau Else Kropidlowski die Damen Maria Schröder, Lilly Brüsseler, Grete Meessen, Leny Feiker, Katharina Feiker, Maria Kaussen und Maria Steffens einen Theaterverein, die „Caritasbühne„. Der Verein machte es sich zur Aufgabe, den Erlös von Veranstaltungen an Bedürftige weiterzuleiten.

Die ersten Aufführungen im Marienhospiz in der Eifelstrasse fanden unter primitivsten Verhältnissen statt. Eintrittskarten hierzu wurden mit der Hand geschrieben und im Bekanntenkreis verkauft.

Während der Veranstaltungen wurden in den Pausen Tellersammlungen durchgeführt. Heutzutage nicht mehr vorstellbar wurde das gesammelte Geld in Waschkörben nach Hause geschafft und sofort an die Bedürftigen verteilt.
Am nächsten Tage wäre es ansonsten fast nichts mehr wert gewesen.

Im Jahre 1924 gesellten sich zu der immer bekannter werdenden Bühne einige Herren aus der Kolpingfamilie. Man spielte fortan mit gemischten Rollen.

Nach 1933 wurden alle konfessionellen und überkonfessionellen Wohltätigkeitsvereine aufgelöst, das Vereinsvermögen fiel an die NSV („Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“). Eine Betreuung Hilfsbedürftiger durfte nur noch durch diese Organisation erfolgen. Auch der Caritasbühne war es nicht mehr gestattet, Verdienste aus Veranstaltungen zu verteilen. Die Tellersammlungen mussten ebenfalls der NSV zugeführt werden.

Außerdem wurde der Bühne bekannt, das man sich an dem Namen „Caritasbühne“ gestoßen hatte. Um einem Vereinsverbot aus dem Wege zu gehen, wurde der Name geändert.

Zudem gab es zu dieser Zeit weitere Hindernisse zu bewältigen. Genehmigungen für Aufführungen von Mundart-Stücken mussten kurzfristig eingeholt werden. 1936 stand ein Werk von Hans Müller-Schlösser in Aachener Mundart („Öcher Platt“) auf dem Programm. 36 Stunden vor der Aufführung wurde die bereits erteilte Genehmigung auf Veranlassung des damaligen Intendanten des Stadttheaters wieder entzogen. Nur Dank der Beziehungen einiger Vorstandsmitglieder konnte die Aufführung wie geplant stattfinden. Während des kurz darauf ausbrechenden 2. Weltkrieges war an Aufführungen nicht zu denken.

Nach 1945 fand man sich nur langsam wieder zusammen. Die meisten Säle in Aachen waren zerstört, die ersten Stücke wurden daher in der Talbothalle präsentiert.

In den 50er- und 60er-Jahren wurde die Bühne auf eine harte Probe gestellt. Vor allen das neue Medium Fernsehen bereitete große Probleme. Fiel zufällig eine Vorstellung mit einer Sendung der damaligen Stars Peter Frankenfeld oder Lou van Burg zusammen auf einen Termin, konnte man die Besucher per Handschlag begrüßen. Hinzu kam, das die Aachener Mundart inzwischen bei weiten Bevölkerungskreisen zunehmend unbekannter wurde und verpönt war. Der Bühne mangelte es an Nachwuchs.

Erst Ende der 70er-Jahre erlebte das Öcher Platt und damit die Bühne eine gewaltige Renaissance. Das Fernsehen verlor an Attraktivität, das „Volkstheater“ war wieder gefragt. Neue, junge Mitglieder brachten wichtige Impulse in den Verein, gleichzeitig lernte man „Theater spielen“ von den Alten. In kurzer Zeit wuchs ein leistungsfähiges Ensemble zusammen.

Von Jahr zu Jahr stieg die Nachfrage nach Karten wieder. Immer mehr Aufführungen in immer größeren Sälen fanden statt, um der Nachfrage gerecht zu werden. Spielte man 1981/82 bei insgesamt 9 Vorstellungen noch im Pfarrheim St. Michael in Burtscheid, im Landesbad sowie im Josefshaus das Stück „Et Maat-Marie“ vor 2.500 Zuschauern, sind es heute in der Aula des Einhard-Gymnasiums während einer Spielzeit mehr als 20 Vorstellungen ca. 16.000 Zuschauer.

Diese Entwicklung blieb nicht unbemerkt. 1985 erhielt man als besondere Anerkennung den Förderpreis zur Pflege der Aachener Mundart (Thouet-Preis), seit 1994 gehört man zu den Mullefluppet-Preisträgern. Ebenfalls 1994 wurde die Bühne ins Spielhaus des Stadttheaters fest integriert und spielt seitdem vor ausverkauften Rängen.